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how to be a womanWie ich lernte eine Frau zu sein

Von Buschmessern und deplatzierter SolidaritätBeitrag als eBook

Marie-Kristin BaderVon Marie-Kristin Bader
Caitlin Moran's Buch "how to be woman" (Ullstein, 2012) ist ein Schlag in das weibliche Bewusstsein. Kein leichter Klaps, eher ein verbaler Fausthieb, um sicher zu stellen, dass wir es alle verstehen. Es ist kein Buch von einer Akademikerin für Akademiker/innen sondern ein ungeschliffenes Buch von ihr für dich, mich und euch.

Anhand von autobiographischen Kapiteleinleitungen erläutert sie mit viel Humor die Probleme, die daraus resultieren, dass ein Mädchen zur Frau wird ohne den allgemeingültigen, ungeschriebenen Gesetzen unserer Gesellschaft zu entsprechen.

Arm, dick und gebildet. Dass du anders bist erfährst du zuerst durch die Anderen.

Das Buch beginnt an ihrem 13. Geburtstag, also ihr Einstieg in das Teenageralter. Die junge Moran wird von einer handvoll Halbstarker verfolgt, mit Steinen beworfen, als Schwuchtel bezeichnet. Zuhause angekommen wird allein vor der Tür geweint, im inneren der überfüllten Sozialbauwohnung ist dafür kein Platz.

Das alles erscheint uns wohl nicht sonderlich erfreulich, doch für Moran bedeutet es, 13 Jahre alt zu sein und somit einen neuen Bibliotheksausweis und den Zugang zu anderer Literatur. Sie leiht sich diverse Bücher aus, stolpert über ihren ersten erotischen Roman, der bei ihr zu einem ganz neuen Körperbewusstsein führt und landet schließlich mit 15 bei Germaine Greer. Ihr ,wie sie es nennt, "Antiserum".

Sie geht von nun an ihren Weg mit etwas weiter geöffneten Augen und gespitzten Ohren, macht uns darauf aufmerksam, dass Sexismus, genau wie Rassismus, mittlerweile zwar versteckter, aber nicht weniger existent ist. Moran räumt zudem mit dem Irrglauben auf, dass Frauen immer zusammenhalten müssen. Die Entmündigung einer Frau durch eine Andere ist falsch. Frau ist kein besserer Mensch, weil sie eine Frau ist oder um es mit Moran's Worten zu sagen: "Arschloch bleibt Arschloch, ganz egal ob wir beide bei Festivals in der längeren Klo-schlange anstehen müssen oder nicht."

"how to be a woman" ist kein Manifest, es ist ein Freischlag, eine Entkernung, die sich ohne phallischen Knüppel, sondern mit einem Buschmesser in unsere Lachmuskeln und in unsere leider zum Teil sehr verquere Denke schlägt.

Die deutsche Ausgabe des Buches ist wohl etwas irreführend in ihrer Optik, pastell - türkiser Einband, pinke Letter, rosafarbene Boxhandschuhe. Das alles scheint in die gleiche Kerbe schlagen zu wollen wie "Warum Frauen nicht ... und Männer nicht...". Doch selbst wenn dies ein Trick sein sollte, um Frauen zu erreichen, die Gefallen an o.g. Literatur finden, verschreckt es leider wiederum andere Frauen, die genug von derartiger überflutung des Marktes haben.

Doch auch hier gilt, was in jedem Bereich unseres Lebens gelten sollte: Don't judge a book by it's cover.

Bitte lesen. Danke.